Archiv für den Monat: Mai 2014

Auf den Spuren von India Flint

Gleich vorweg: India Flint ist ein großer Name. Diese Frau ist eine Textilkünstlerin. Das was ich hier gerade mache ist: Ich probiere mal ob das geht, wie das geht und überhaupt. Ich mag keine Rezepte und Anleitungen und bin ein Fan von „mal probieren“. Diese Art der Färbung ist angelehnt an Shibori, eine japanische Art Stoffe zu färben. Wenn man das mal googelt, bekommt man den Mund fast nicht mehr zu, was für tolle Sachen da herauskommen.

Also fangen wir mal an und nehmen wir einen Stoffrest. Wollstoff von Naturtuche.de – und zwar die leichte naturfarbene Wolle in Leinwandbindung. Davon hatte ich mal 10 Meter und es ist das Futter meiner spätmittelalterlichen Schaube und einige Tücher für die Haubenkonstruktion geworden. Nachzulesen u.a. hier. Übrig geblieben ist nun unter anderem dieses lange schmale Stück auf das ich jetzt einfach mal allerlei färbendes Pflanzenzeugs werfe. Vorher habe ich es gründlich gewaschen, gespült und mit Essigsaurer Tonerde gebeizt.

20140531_211314Wir haben da Wurmfarn und Brombeerblätter, beides gelb/grün färbend. Und dazu habe ich noch ein paar Hand voll Kaffee, Alkanna und Henna geworfen.

 

20140531_211406

 

Das ganze habe ich auf der Hälfte der Stoffbahn verteilt und dann den anderen Teil darübergeklappt. Dann das ganze zu einer schmalen Rolle gefaltet und wiederum zweimal nach innen zu einem netten kompakten Gebilde, was ich mit Draht fixiert habe. Besser wäre Kupferdraht gewesen, Aber da ich gerade keinen dahabe, muss jetzt eben der schnöde kunststoff-ummantelte Pflanzen-Bindedraht herhalten.

20140531_211458 20140531_211710Das ganze habe ich dann in einem Topf mit den Resten der letzten Krappfärbung, in die ich wiederum die restliche Flotte der Frauenmantel-Färbung geschüttet habe, versenkt. Hier kommt nix um 🙂 (übrigens auch der Tisch nicht, der tatsächlich recht siffig aussieht 😉 Das war vor vielen Jahren mal ein Gartentisch. Nun hat er über 15 Jahre auf dem Buckel und ist jetzt ein Pflanzen-umtopf-rummatsch-dreckige Sachen-mach-Tisch. Er findet das gut und darf deswegen bleiben 😉 )

Durch die Krapp-Frauenmantel-Brühe dürfte der Stoff einen leicht gelblich-rosafarbenen Ton annehmen (das ist quasi dann der dritte Farbzug) und was mit dem Rest passiert schauen wir mal. Das ganze darf jetzt mal für ein paar Wochen auf der Sonnenseite des Hauses vor sich hingammeln. India Flint arbeitet viel mit Eisensulfat, wobei ich mich jetzt nicht getraut habe, mein Päckchen über längere Zeit in Eisenwasser liegen zu lassen. Eisen macht die Wolle nämlich ganz spröde, wenn es zu viel ist. Daher muss ich doch erst nochmal nachlesen, welche Konzentration bei so einer langen Einwirkzeit ok ist. Evtl. bade ich den Stoff am Ende der „Einwirkzeit“ nochmal in Eisenwasser.

Beim Öffnen meines Überraschungspäckchens mache ich dann natürlich auch Bilder und stelle sie hier ein.

 

Wiesenkerbel, Blauholz, Löwenzahn und Säurefarben…

… einträchtig vereint heute in den Shop eingestellt 🙂

Mal schnell ein paar Bilder, weil sie so hübsch sind 🙂

20140530_195643 20140530_19462020140530_195109 20140530_19500820140530_195423 20140530_194513

 

Alle hier im Shop zu finden: http://www.blumenkinder.eu/shop/Strickgarne-und-Spinnfasern/Garn:::237_224.html

Farben, Spinnerei und Neptuns Töchter

Uff. Gerade mit der Arbeit fertig. Ich schmeiß hier mal schnell zwei Fotos rein, damit der Blog sich nicht so einsam fühlt und gehe dann gehe ich „Once upon a time“ gucken und spinnen. So. 🙂

Das hier sind Neptuns Töchter, so der Name des Kammzugs. Das ist ein SDD = Spinn dein Ding aus der Facebook-Spinngruppe in der ich bin. SDD heißt: Mehrere Spinnerinnen bekommen den gleichen Kammzug (den gleichen, nicht den selben 😉 ) und verspinnen den dann so, wie sie möchten. Oder wie sie meinen, daß der Kammzug es erfordert. Und dann zeigt man Fotos in der Facebook Gruppe, fachsimpelt ein bißchen und freut sich darüber.

Meiner hier ist von Christina Günther-Fiedler und aus 70% Merinowolle und 30% Soja (also 70% Schurwolle und 3% Viskose). Er spinnt sich butterweich und ich mache mir hier mal seit längerem wieder die Arbeit gaaanz dünn zu spinnen. Das dauert ewig, aber lohnt sich. Ich werde ihn dann vermutlich Navajo zwirnen, weil ich keine Lust habe, das dünne Spaghettizeugs dann nochmal zu wickeln und von innen und außen zu verzwirnen. Na mal sehen, ich halte euch auf dem Laufenden.

So kamen Neptuns Töchter zu mir:

20140513_112031

Und dann hab ich sie ganz brutal gevierteilt, damit die Farbverläufe nicht ganz so lang sind. Denn ich hatte ja vor, ganz dünn zu spinnen.

20140522_222121

Und hier ein Spulenfoto mit schon mehr als 2 Drittel des Kammzugs (der insgesamt 150g wog)

20140525_232818

Und draußen trocknet gerade noch ein bissi buntisch Zeuch:

20140525_115607

Goeteanum aus lebender Natur – Arboretum Weilrod Riedelbach

Und noch etwas tolles gab es dieses Wochenende. Nämlich die Führung durch das Arboretum Weilrod/Riedelbach, hier bei uns auf dem Hügel. 🙂 Ich muss ja gestehen, daß ich keine Ahnung hatte, was sich hinter dem Zaun verbirgt. Pflanzen halt. Ein Arboretum ist ja eigentlich so im gebräuchlichen Sinne eine Anpflanzung verschiedener Pflanzen aus verschiedenen Teilen der Welt. Und sowas mag ich ja eigentlich nicht besonders.

Sowas führt nämlich unter Umständen dazu, daß sich Pflanzen verbreiten, die hier gar nicht heimisch sind und dann viele andere Pflanzen verdrängen. So ist es ja z.B. mit dem Drüsigen Springkraut passiert, das hierzulande mittlerweile dermaßen dominiert, daß viele andere Pflanzen, gerade in Auenlandschaften, davon ernsthaft bedroht sind. Es handelt sich um eine ehemalige Zierpflanze aus Indien, die in Gärten kultiviert wurde und sich dann verselbständigt hat: http://de.wikipedia.org/wiki/Dr%C3%BCsiges_Springkraut

Aber ich schweife ab. Das Arboretum in Riedelbach ist quasi der Nachbau des Steinerschen Goeteanums. Und zwar der ersten Version, die um 1913-15 aus Holz erbaut wurde und leider der Brandstiftung zum Opfer fiel. Das Goetheanum ist ein Bauwerk der Anthroposophischen Gesellschaft und spiegelt in vielen Teilen wichtige Punkte der anthroposophischen Weltsicht wider.

So befinden/befanden sich im Gebäude zwei Räume, ein geistiger Raum und ein äußerer (weltlicher) Raum, die eine Überschneidungsfläche haben. Im Mittelpunkt dieser Überschneidungsfläche befindet sich das Rednerpult. Um den inneren Kreis herum befinden sich Säulen aus verschiedenen Kombinationen aus sieben Hölzern. Die Kapitelle dieser Säulen spiegeln die Entwicklung des Menschen nach der anthroposophischen Lehre wider. Hier im Arboretum Riedelbach sind die Kapitelle durch bildhauerische Werke von Peter Seip ersetzt, welche im äußeren Kreis stehen.

Unheimlich toll und spannend und eigentlich noch viel besser, als das Ur-Geotheanum, das ja aus _toter_ Natur gefertigt war und nicht aus _lebender_ Natur, die noch weiter wachsen darf.

Da ich über das Nachlesen zum Thema Waldorf-Pädagogik leider bisher nie hinauskam, werde ich mich in das Thema nun mal weiter einlesen. Ich finde Teile davon sehr interessant und stimmig und bin gespannt, was da noch so ist.

Der Bildhauer Peter Seip wird im Zeitraum vom 30./31. Mai bis 9.Juni sein Atelier ins Arboretum Riedelbach verlegen, Und da werden wir natürlich hingehen, nicht nur weil die Kinder gerne mal selbst Stein bearbeiten wollen, sondern auch um den freundlichen Bildhauer noch weiter über die anthroposophische Weltsicht auszuquetschen. Des Pudels Kern und so… 🙂

Frühlingsfest Krebsmühle mit Ursellis Historica

Heute war das Frühlingsfest der Krebsmühle in Oberusel. Und das Vereinsgelände unseres Mittelaltervereins Ursellis Historica liegt ja direkt hinter der Krebsmühle. So kam es, daß gleichzeitig ein Vereinslager stattfand. Auf dem Gelände gibt es mittlerweile ein keltisches Grubenhaus und eine tolle Schmiede nach historischem Vorbild (in Fachwerkbau mit Lehmgefachen). Alles wurde komplett von den Vereinsmitgliedern selbst errichtet und ist ein wunderbares Beispiel für das Zusammenspiel einer Gruppe mit gemeinsamen Interessen. Es ist einfach grandios, was da innerhalb kürzester Zeit entstanden ist !

Noch zu unserem Arbeitseinsatz am 5.+6. April standen gerade mal die Grundpfeiler der Schmiede und der Dachstuhl des Grubenhauses ! Und heute ist es Grubenhaus komplett fertig und in der Schmiede wurde heute bereits geschmiedet !

Außerdem gab es heute auf dem Vereinsgelände die Möglichkeit, sich im Bogenschießen zu erproben, es wurde Stockbrot gebacken, und mit Pflanzen Wolle gefärbt. Es gab Vorführungen im Schaukampf, einerseits von den Wikingern Christian & Christian, was ich persönlich von der Namensonstellation her total witzig finde und andererseits im Sinne der Fechtbücher von Talhoffer und Lichtenauer durch meinen Mann und mich. Und ich habe heute das erste Mal öffentlich gesponnen und bin total begeistert wieviel positive Resonanz es gab. Besonders die Kinder waren ganz toll und sehr interessiert ! Ok, meine eigenen nicht so, die kennen das ja aber auch schon, daß die Mama spinnt und haben das bereits im Kindergarten entsprechend verwurstet („Meine Mama spinnt“ ist der running gag schlechthin 🙂 )

10325317_870929079600431_3514459383572646928_n

Aber ich fand es schön, daß so viele Leute Fragen gestellt haben und es spannend fanden, wie ein Faden aus einem Kammzug entsteht, wie verzwirnt wird etc. Die Kinder waren klasse und haben zum Teil mitentschieden, wann ich auf die jeweils andere Wollfarbe wechsle. (ich habe naturweiße und lachsfarbene Wolle im Wechsel versponnen.) Sie haben gefragt, warum das Spinnrad sich dreht und warum der Faden nicht reißt und noch vieles mehr. Zeitweise habe ich dann auch auf die Handspindel gewechselt und zwei Mädchen wollten (und durften) sich sogar an der Handspindel probieren.

Es gab auch ganz viele andere Angebote. So hat z.B. das Team unserer Lagerküche angeboten, Stockbrot am Lagerfeuer zu backen. Es wurde erklärt, wie Eisen geschmiedet wird ( bzw. wurde) und die Gauklerfamilie gab den Kindern die Möglichkeit, zu lernen, wie ein Diablo funktioniert und was für tolle Kunststücke damit möglich sind. 

Ich finde es wunderbar, so einem tollen, lebendigen Verein anzugehören mit vielen netten Menschen, vielfältigen Ideen und einem Zusammenhalt, den man selten irgendwo findet.

Übrigens gibt es uns auch nochmal in „größer“ bei der Oberurseler Feyerey 2014, die vom Verein Ursellis Historica veranstaltet wird. Und es wird auch im September noch ein Vereinslager auf dem Vereinsgelände geben, ähnlich wie dieses heute. Ihr dürft gepannt sein .Und alle, die hier aus der näheren Umgebung kommen, sind herzlich eingeladen !