Archiv für den Monat: September 2013

Muddis neues Hobby… der Medieval Longbow :-)

Ja, sie hat immer mal wieder nen neuen Spleen. Muss ja, wird ja sonst langweilig, gell ?

Im Rahmen unseres Mittelaltervereins Ursellis Historica durfte ich mich im Bogenschießen probieren. Und hey – das hat geklappt ! Man muss dazusagen, daß alles was mit Sport zu tun hat irgendwie nicht an mich geht oder wenn, dann irgendwie schiefläuft. Das war schon immer so. Ich erinnere mich z.B. mit Schrecken an den misslungenen 10-minütigen Versuch des Inline-Skatens mit meinen damals sauteuren K2 Rolldingern. Nun ja, das Experiment endete bevor ich eigentlich wirklich gefahren bin mit einem gebrochenen Arm – glücklicherwiese der linke.

Aber jetzt gibt es etwas, das entfernt mit Sport zu tun hat und das ich irgendwie ganz gut zu können scheine. Es ist zumindest so, daß ich von Anfang an irgendwie meistens die Zielscheibe treffe, warum auch immer 🙂 Das ist ein so motivierender Start, daß man einfach weitermachen muss, oder ? Nun habe ich mir also einen wunderschönen Langbogen zugelegt, der auch perfekt zu unserer mittelalterlichen Darstellung (Spätmittelalter so um 1450) passt. Ok, es ist keine wirkliche Replik. Die Bogen damals hatten Hornnocken (die Dinger an den Enden des Bogens wo die Sehne reinkommt) und meiner hat einfache Holznocken. Aber immerhin kein schnöder Kompositbogen 😉

Es handelt sich um einen Selfbow, das heißt er ist aus einem Stück Holz gefertigt. Die modernen Langbogen sind meist laminiert, das heißt aus verschiedenen Materialien (Holz mit Glasfaser, Carbon etc.) verbunden.

Die mittelalterlichen Langbogen hatten ein wesentlich höheres Zuggewicht als die heutigen. um die 100 bis 150 lbs waren Standard. Die Bögen hatten eine Wahnsinns-Durchschlagskraft, waren aber auch extrem schwer zu ziehen. Allerdings begannen zu dieser Zeit bereits kleine Jungen mit dem Training und das Zuggewicht der Bögen wurde mit dem Training gesteigert. Man fand bei Ausgrabungen von Skeletten dieser Männer deutliche Abnutzungserscheinungen an den Gelenken, die wohl von der ständigen starken Belastung durch die Bögen mit hohem Zuggewicht kamen. Das jedoch sind die Bögen, die heute als Warbow bzw. Kriegsbogen bezeichnet werden. So einer ist meiner natürlich nicht. Sehr viele Bogen dieser Art fand man auf dem Englischen Kriegsschiff „Mary Rose“, welches 1510 gebaut wurde und 1545 sank. Entdeckt wurde es 1971 und gehoben wurden die Funde 1982.

Der Durchbruch der Bogenschützen in der mittelalterlichen Kriegsführung ist auf den Anfang des 15. Jahrhunderts zu datieren. Als Initialzündung gilt die Schlacht bei Azincourt, wo das englisch-walisische Heer trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit gegen die Franzosen gewann, da hier die Bogenschützen sehr wirkungsvoll im Einsatz waren: http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Azincourt

Soweit mal kurz zum Hintergund in der Geschichte. Die wirklichen Repliken der Mary Rose Bogen kosten um die 600 Euro, daher derzeit nicht wirklich machbar. Das kann man mal überdenken, wenn man 5 Jahre Training hat 😉

Mein Bogen ist ein Selfbow aus Birke mit 32lbs bei 28″ Auszug. Das heißt, daß der Bogen die Kraft von 32 lbs umsetzt, wenn man 28 Zoll, also ca. 71 cm auszieht (Auszug = die Spanne zwischen Bogen-Vorderkante und Sehne). Ich ziehe allerdings momentan nur um die 24″ aus, wobei da vermutlich noch was geht mit mehr Training. Aber irgendwann ist auch Schluss, die Ärmchen werden nunmal nicht länger.

Hier gibt es ein schönes heroisch gemachtes Video (in englisch) mit Kevin Hicks (sooo eine coole Sa* 😉 ): http://www.youtube.com/watch?v=EvKJcxa8x_g

Fast, accurate and under power… ! *hach… !! Da will ich hin, jawoll !!!

Und hier gibt es eine schöne Kompletterklärung ebenfalls in englischer Sprache: https://www.youtube.com/watch?v=tH2gedif_HE&feature=youtube_gdata_player

Und dann gibt es natürlich noch ein Bildchen von mir beim Training. Da ist noch einiges zu tun, aber wird schon ganz vernünftig mittlerweile.

_me_bogen

 

…und dann ist da noch die schöne ganzheitliche Sache dabei: Beim Bogenschießen trifft man das Ziel dadurch, daß man loslässt. Sehr schön metaphorisch auf das Leben anwendbar. Zumal man auch schnell schießen muss, wie ich mittlerweile von einem bereits erfahrenen Vereinskollegen lernen durfte. Wenn man den Bogen spannt und hält und zielt… und hält… und hält… und zielt… dann fängt man irgendwann an zu zittern und trifft gerade deswegen nicht. Die Erfolgsquote lässt mit mehr Kontrolle, Zögern und Zwang nach ! Das ist wunderbar auf das Leben anwendbar und ganz nebenbei ein super Mentaltraining !